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Wörterbuch
Kleiner Friesenschnack.
Wussten Sie, was ein Schietbüdel ist? Na, vielleicht haben Sie ja sogar einen dabei.
Schietbüdel, das sind bei uns die kleinen Kinder. Doch es gibt noch einige andere Dinge, in denen die Ostfriesen sehr eigen sind. Hier eine kleine Auswahl:
Teetied
Nutzen Sie Ihren Aufenthalt bei uns und genießen Sie jeden Tag das Gedöns, das wir mit unserem Tee veranstalten: nachmittags um 15 Uhr ist Teetied. Da wird alles stehen und liegen gelassen, um in einer ausgewachsenen Teezeremonie den einzigartigen, kräftigen Ostfriesentee aufzubrühen, ein paar Kluntjes in die Tasse zu klacken, Tee einzugießen, den Rohmlöpel zu schwingen und ‘n Wulkje Rohm hineinzuzaubern – hmmm. Aber bitte nicht umrühren! Dies würde Sie als unheilbaren Barbaren outen. Ein echter, ungerührter Ostfriesentee mit Kandiszucker und einem Wölcken Rahm hingegen ist ein Hochgenuss, bringt Ruhe in den Tag und die Lebensgeister zurück. Für uns Friesen ist es schlechterdings undenkbar, darauf auch nur einmal zu verzichten.
Beachten Sie jedoch, dass bei einer echten Teetied mindestens drei Mal nachgeschenkt wird – eine Ablehnung Ihrerseits würde als grob beleidigend empfunden. Nach der dritten Tasse dürfen Sie Ihren Löffel in die Tasse stellen, um zu signalisieren, dass Sie nun genug haben. Sonst ergeht es Ihnen womöglich wie jedem neuen Pastor vom Festland, der aus Verzweiflung nach dem 32. Mal Nachschenken die Teetasse in seiner Hosentasche verschwinden ließ.
Moin
Zugegeben, es gibt auch Plappermäuler, die gern ein fröhliches: Moin, moin! in die Runde werfen. Der Ostfriese hingegen belässt es zu jeder Tageszeit bei einem einfachen „Moin“ und hält ansonsten vorzugsweise die Klappe. Übrigens: Das bedeutet keineswegs, dass wir uns den ganzen Tag einen guten Morgen wünschen. Denn „moi“ heißt auf Plattdeutsch „gut, schön“ – wir wünschen uns also einen Guten – den Morgen, Tag, Nachmittag, Abend sparen wir uns. Zu viel Gerede. Moin!
Granat
Granat finden Sie auf den Ostfriesischen Inseln an jeder Ecke. Doch keine Sorge, hier explodieren keine Granaten. Granat sind die berühmten Nordseegarnelen, die noch auf dem Kutter in den Kochtopf kommen und so ihre schöne rosa Farbe erhalten. Kaufen Sie Granat am besten direkt vom Kutter – frischer geht’s nicht, und das Nordseefeeling gibt es gleich gratis dazu.
Labskaus
Eigentlich ein Resteessen aus der Seefahrerzeit, sieht Labskaus etwas eigentümlich aus und schmeckt dafür überraschend gut. Seit ein unbekannter Smutje nichts mehr in der Kombüse hatte außer Kartoffeln, ein paar Dosen Corned Beef, Rote Beete, eingelegten Matjes und saure Gurken, und daraus einen wohlschmeckenden Brei zauberte, ist Labskaus eines der traditionsreichsten Gerichte der Nordseeküche. Wenn die Speisekammer dann noch ein Spiegelei hergibt, mit dem das Labskaus gekrönt werden kann, sollten Sie sich diesen Genuss nicht entgehen lassen.
Ostfriesenpalme
Die Ostfriesen sind bekanntlich wahre Künstler darin, aus der Not eine Tugend zu machen. So pflanzen Sie in Ermangelung eines Klimas, in dem Palmen gedeihen, eben Grünkohl an. Denn dieser wird nach den ersten richtigen Frösten wirklich genießbar, weil er so seine Bitterstoffe verliert. Aber dann! In einer wahren Orgie von Kasseler und Grützwurst, Fett und scharfem Senf kommt er auf den Tisch und wärmt Leib und Seele. Das Ganze nennt sich dann Kohl und Pinkel und wird gekrönt von einem scharfen Schnaps, ohne den Landratten dieses Mahl vermutlich nicht überleben würden.
Deichmäher
Auch hier ein gelungenes Beispiel, wie die Ostfriesen das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Was würde sich wohl besser eignen, um die Deiche zu pflegen, als Schafe? Anstatt mit eigener Hände Arbeit das Gras kurz zu halten, den Boden festzutreten und auf diese Weise den Maulwürfen das Wühlen zu vergällen, schicken wir einfach unsere Schafherden über die Deichwiesen. So bleiben nicht nur die Deiche intakt, sondern wir haben auch noch genügend Wolle für warme Pullover, und das Fleisch der berühmten Salzwiesenlämmer ist ein über die Region hinaus bekannter Genuss.
Schietecke
Nun verstehen Sie ja mittlerweile so viel, dass Sie glauben könnten, die Schietecke wäre eine ostfriesische Toilette. Weit gefehlt! Die Schietecke ist bei uns Südwest – eine unangenehme Windrichtung, aus der meist Wolken und Regen und damit das berühmte Schietwetter kommen. Bläst der Wind hingegen aus West oder Nordwest, pustet er auf angenehme Weise den Kopf durch, und außerdem sparen Sie sich den Friseur. Von perfekten Föhnfrisuren können wir hier nämlich nur abraten – sie würden keine zwei Minuten halten.
Der große Vorteil daran ist: Der ständige Wind hält die Luft frei von Staub und Pollen, sodass die Ostfriesischen Inseln ein wahres Paradies für Allergiker sind. Außerdem prickelt eine steife Brise angenehm im Gesicht, Sie bekommen eine frische Farbe und können das herrliche Gefühl genießen, mal wieder so richtig durchgeatmet zu haben.
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